Mittwoch, 24. Februar 2016

Wer begeht die Straftaten wirklich ?

Ich beziehe mich hier ausnahmsweise mal nicht auf die Berichterstattung der GZ, sondern auf eine Berichterstattung der Hannoverschen Allgemeine.
In der letzten Woche hat der Niedersächsische Innenminister die Kriminalstatistik für 2015 vorgelegt und festgestellt, dass Flüchtlinge nicht krimineller seien als die restliche Bevölkerung in Niedersachsen. 
Mitarbeiter der Hannoverschen Allgemeine haben die veröffentlichten Zahlen mal ein wenig genauer unter die Lupe genommen und kommen zu folgendem Ergebnis: „Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius bestreitet, dass Flüchtlinge häufiger straffällig werden als der Rest der Bevölkerung – und sagt damit nur die halbe Wahrheit. Denn das Land hat einen seltsamen Blickwinkel auf die Zahlen. ...Tatsächlich werden laut Statistik Flüchtlinge häufiger kriminell als der Rest der Bevölkerung. Dafür gibt es aber aus der Sicht der Landesregierung eine Erklärung“.
Dieser Artikel löste auf der Facebookseite der HAZ einen Shitstorm aus und die HAZ hat sich unter der Überschrift „Das ist Hetze – Es geht um Tatsachen“ nicht gescheut, das Für und Wider in seiner heutigen Ausgabe abzudrucken. Hut ab vor dieser Art des Umgangs mit einem strittigen Thema.
Nachfolgend beide Artikel

Wer begeht die Straftaten wirklich?

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Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius bestreitet, dass Flüchtlinge häufiger straffällig sind als der Durchschnitt der Bevölkerung – und sagt damit nur die halbe Wahrheit. Denn das Land hat einen seltsamen Blickwinkel auf die Zahlen.
Hannover. Flüchtlinge sind nicht krimineller als die restliche Bevölkerung in Niedersachsen, hat die Landesregierung bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2015 vor einer Woche als Fazit gezogen. Doch dieser Satz lässt sich bei genauer Betrachtung der Zahlen so einfach nicht aufrechterhalten. Tatsächlich werden laut Statistik Flüchtlinge häufiger kriminell als der Rest der Bevölkerung. Dafür gibt es aus Sicht der Landesregierung aber eine Erklärung.
30 238 Tatverdächtige in der Statistik sind nach Angaben des Landeskriminalamts als Flüchtlinge vermerkt, also entweder als Asylbewerber, Geduldete, Kontingentflüchtlinge oder Personen, die sich unerlaubt in Deutschland aufhalten. Dieser Status wird seit November in den Polizeibögen zwingend erfasst. Zieht man von den 30 238 diejenigen ab, die nur mit ausländerrechtlichen Verstößen aufgegriffen wurden – also zum Beispiel ohne Visum einreisen –, bleiben in der Kriminalstatistik 12 782 tatverdächtige Flüchtlinge übrig, denen vor allem Diebstähle, Körperverletzung und Schwarzfahren vorgeworfen werden. Das sind 5,6 Prozent aller 228 703 Tatverdächtigen, die 2015 erfasst wurden. Als tatverdächtig wird jemand in der Statistik aufgenommen, wenn die Polizei ihre Ermittlungsarbeit beendet hat und diese Person als Täter sieht. Verurteilt ist die betreffende Person damit noch nicht.
Diese Zahl muss man nun zur Gesamtzahl der Flüchtlinge in Niedersachsen in Relation setzen – und das sind mehr als die 102 000 Menschen, die 2015 zu uns gekommen sind. „Wir schätzen, dass sich über das gesamte Jahr 2015 circa 200 000 Flüchtlinge in Niedersachsen aufgehalten haben“, sagt Friedhelm Meier, Abteilungsleiter für Flüchtlingsangelegenheiten im Innenministerium.
Eine Schätzzahl, die einen präzisen Abgleich schwierig macht, aber einen Näherungswert zulässt. Das heißt: 12 782 von 200 000 Flüchtlingen wurden 2015 Tatverdächtige, das entspricht einem Anteil von 6,4 Prozent. Das ist ein höherer Wert als in der Gesamtbevölkerung: Insgesamt leben in Niedersachsen 7,841 Millionen Menschen, davon wurden 228 703 im vergangenen Jahr zu Tatverdächtigen – das ist nur ein Anteil von 2,9 Prozent. Flüchtlinge wurden damit statistisch gesehen mehr als doppelt so häufig zu Tatverdächtigen wie die Gesamtbevölkerung Niedersachsens. Ähnliches ergibt sich, wenn man die Zahl der Flüchtlinge an allen Tatverdächtigen und an der Gesamtbevölkerung misst: Die Flüchtlinge stellen demnach 2,6 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung, aber 5,6 Prozent aller Tatverdächtigen – auch hier eine mehr als doppelt so hohe Zahl. Und sie sind für 3,7 Prozent aller Straftaten verantwortlich (6,8 Prozent, wenn man ausländerrechtliche Verstöße mit einrechnet).
Für Innenminister Boris Pistorius gibt es dafür einen einfachen Grund: „Unter den Flüchtlingen gibt es einen hohen Anteil einer Gruppe, die auch bei deutschen Tatverdächtigen für überdurchschnittlich viele Straftaten verantwortlich ist: junge Männer“, sagte er der HAZ. Das eingerechnet würden Flüchtlinge sich nicht anders verhalten als andere Bevölkerungsgruppen. Außerdem wäre es zu kurz gegriffen, die Straftaten einfach an den Flüchtlingsstatus zu koppeln. „Da kommen soziale Fragen, persönliche Probleme, Umstände der Unterbringung und vieles mehr dazu“, so der Minister.
Er wolle die Lage nicht schönreden, sagt der Innenminister: Es gebe bestimmte Deliktgruppen, in denen Flüchtlinge auftauchten. An seiner Einschätzung, dass Flüchtlinge nicht übermäßig für Kriminalität verantwortlich seien, halte er fest: „Die Situation ist, wie sie ist. Wenn sich daran etwas ändert, werden wir das genauso benennen“, so Pistorius.
„Das ist Hetze“ – „Es geht um die Tatsachen“
Die gestrige Berichterstattung der HAZ zur Kriminalität männlicher jugendlicher Flüchtlinge hat unter den Lesern eine heftige Kontroverse ausgelöst. Vor allem bei Facebook gab es viel Für und Wider. Wir dokumentieren Auszüge aus einem Streit, der im Netz in diesen Tagen zum Alltag gehört – im Originaltext.
  • Mia Younes Ist das euer Ernst? Woher habt ihr eure tollen Zahlen her? Unnötige Hetze brauchen wir jetzt nicht. Ehrlich. Kriminell ist kriminell. Unabhängig von der Nation.
  • HAZ Die Zahlen stehen in der Statistik der Landes Niedersachsen. Wir hetzen nicht, wir berichten.
  • Mia Younes Ach so. Dann danke für den Mehrwert an Information. Es ist gerade in der Debatte völlig sekundär, wer welche Zahlen von Kriminalitäten aufweist. Es ist kein Wettbewerb. Total misslungen von euch. Ganz einfach.
  • Rico Dette Also lieber verschweigen was unbequem ist?
  • Mia Younes Ne, immer her mit der Wahrheit und Fakten. Aber für mich gerade völlig deplatziert der Artikel. Einfach unnötig.
  • HAZ Wir haben hier keinen Wettbewerb aufgemacht, sondern die Statistik des Landes und die Aussagen des Ministeriums unter die Lupe genommen. [...]
  • Mia Younes [...] Ihr wisst ganz genau, wie heiß das Thema temporär ist .. und das einfach alles hochgespitzt und einige sich durch den Artikel umso bestätigt fühlen in ihrem rechten Gedankengut. Wie gesagt .. toll, dass ihr so gut recherchiert. Aber deplatziert.
  • Daniel Wodniczak Die Wahrheit ist nicht deplatziert – Glück entscheiden nicht SIE, was Nachrichtenwert hat und was nicht.
  • Lars Beringer Die HAZ hat genau ihren Auftrag erfüllt. Nicht mehr und nicht weniger!!!
  • Mia Younes [...] Werden wir ja noch sehen, was für Kommentare kommen. Dann hat die HAZ tatsächlich ihren Auftrag erfüllt! [...] Ich hätte euch schlecht abonniert (sogar in Print!), fände ich euch mies .. finde den Artikel einfach momentan nur Salz in der Wunde.
  • Svenja Meyer Gebe Mia recht!! Ich finde den ganzen Vergleich ehrlich gesagt schlecht, wirkt wie Apfel mit Birnen. Um das Thema „Integration“ sollte sich die Presse kümmern, nicht um „alte“ Themen und die immer wieder aufkochen. Und ich glaube darum geht’s auch Mia, momentan wird so ein Artikel doch gern zur weitern Hetze genutzt und das ist nicht mehr auszuhalten.
  • Jutta Hauck Ist man ein Nazi oder Rassist nur weil man die Wahrheit sagt? Soll man die Realität verschweigen weil nicht sein kann was sein darf ? Bevor Sie mich dafür beschimpfen, ich bin und bleibe Links Wähler. Aber dazu bin ich Realist und sehe was um mich herum vorgeht. [...]
  • Lars Beringer Weniger Emotion, mehr Gehirn und ein Blick in das Niedersächsische Pressegesetz würde helfen. [...]
  • Sigrid Glaner So einfach ist es eben nicht. WEIL, wenn Dinge verschwiegen werden, also dass durch Zuwanderung, auch die Kriminalität steigt, gibt es auch Raum für Hetze und unnötige Spekulationen. [...] Und, Rechte, finden IMMER was! Aber jeder vernünftige Mensch, was immer noch die Mehrheit ausmacht, beurteilt eben nicht pauschal solche Leute als kriminell, sondern trennt klar, ABER verschweigt auch nicht manch Tatsache.
[...]
  • Sascha Baron Also dann sollten jetzt ALLE Informationen und Berichte, welche die Flüchtlingskrise betreffen, nicht mehr gesendet werden oder wie? Dann dürfen aber auch keine Meldungen mehr von dem „Mob“ gesendet werden, wie sie Flüchtlingsunterkünfte anzünden etc. Es ist nun mal eine Statistik die genannt werden sollte. Und bei Statistiken gehört immer noch viel mehr dazu, bzw. könnte man massiv ins Detail gehen. z.B. das man noch regional aufteilt wo wie viel Straftaten begangen werden. Wenn man mal sehen würde wie viel Ausländer einen Beschuldigtenstatus an bestimmten Orten haben, da sind die 5,6% ja nix. [...] Es sind vereinzelte Menschen oder Teile einer Gruppierung, welche negativ auffallen. Und wenn man jetzt daherkommt und dies auf ALLE ableitet, ist man selbst schon nicht mehr groß besser als diese Menschen.
  • Mia Younes Es geht doch nicht um Berichterstattung und Zensur im Allgemeinen [...] Es geht nur darum, dass die Medien auch eine Verantwortung in der ganzen Debatte tragen. Das sollten sie sich immer bewusst sein. Der Artikel ist meiner Meinung einfach zu einer unpassenden Zeit erschienen. Fertig.
  • HAZ Kleiner Einwurf: Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und haben deshalb hier sehr genau recherchiert. Zu unserer Verantwortung gehört auch, dass wir Zahlen und Fakten auf den Tisch legen.
  • Sascha Baron Wenn es danach geht sind fast alle Berichterstattungen zu einer unpassenden Zeit. Wenn man in den Urlaub fliegt, will man sicher nicht lesen, dass gerade wieder ein Flugzeug abgestürzt ist.
[...]
  • Sascha Wolf Das hat mit Benzin ins Feuer gießen absolut garnichts zu tun. Die Wahrheit zu verschweigen ist genau das selbe wie Falschaussagen zu verbreiten, denn hinter beidem steckt eine gewisse Form von Manipulation [...] Sollte sich nun jemand durch den Bericht bestätigt fühlen so beruht es wenigstens nicht aufgrund von Unwissenheit [...] Dennoch sollte man an dieser Stelle nicht pauschalisieren [...] Es gibt nunmal keinen richtigen Zeitpunkt für die Wahrheit liebe Mia. [...]
  • Daniel Wodniczak Wann wäre denn Ihrer Meinung nach die „passende“ Zeit? Sie würden also gerne den Kopf in den Sand stecken und unangenehme Nachrichten ignorieren? So in etwa, wie es die Kölner Polizei zu Jahresbeginn versucht hat? [...]
  • Carsten Thielke Der Überbringer einer schlechten Nachricht wurde schon im Mittelalter immer umgebracht.
  • Andreas Kösling [...] Meist denkt man von euch, dass ihr ein seriöses Blatt seid, doch was soll dieser Artikel bitte? Ist nicht bereits genug Hetze im Umlauf? Müsst ihr da unbedingt mitmachen? Geht es noch?? Was erwartet ihr, dass die jungen Ausländer alle unbescholten sind und dieses bleiben? Soll dieses Bild vermittelt werden?? [...]
  • HAZ [...] Wir haben die Aussagen des Ministeriums genauer unter Lupe genommen und die offiziellen Zahlen sachlich analysiert. Nicht mehr, und nicht weniger. Und wer den Text genau liest, wird sehen, dass wir eines eben nicht machen: pauschalisieren. [...]
  • Andreas Kösling Hetze gibt es in vielen Darreichungsformen! [...]
  • Jörg Scheffler Delikte werden ohnehin nur zum Teil erfasst. Z.B. wenn die Polizei zur Personalienfeststellung geholt werden muss oder eine Strafanzeige folgt weil das erweiterte Fahrgeld nicht gezahlt wurde. Wenn bestimmte Tatbestände herausgerechnet werden, kann auch argumentiert werden, dass auf der anderen Seite als deutsche geführte Tätergruppen mit Migrationshintergrund hinzu gerechnet werden müssen. Nur so würde das Bild Straftaten mit Migrationshintergrund vollständig.
  • David Engelhardt Tut mir leid, aber die Realität zeigt, dass bei dem Delikt Ladendiebstahl leider immer mehr die Flüchtlinge in den Vordergrund rücken. Habe sehr oft Personen, die erst wenige Tage oder Wochen hier in Deutschland sind. Die Diebstahlsquote bei Einheimischen nimmt zusehends ab. Detektiv aus Hildesheim/Salzgitter

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